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Budapest-Szolnok

125km (7:20)

Unsere erste Etappe stand uns bevor. Das Ziel war der ungarische Ort Szolnok, wo uns Erika und ihre Familie beherbergen würden. Wir hatten sie über den Hospitalityclub kennen gelernt und freuten uns schon sehr darauf, sie in echt zu treffen. Erika hatte uns allerdings eine andere Route herausgesucht und geschickt als die, die wir ursprünglich geplant hatten. Sie hatte sich extra bei einem fahrradfahrenden Freund erkundigt. Die neue Route war um einiges länger, 120 km in etwa, dafür hatten wir aber auch eine detaillierte Wegbeschreibung. Der Weg aus Budapest heraus erwies sich trotzdem als sehr nervenaufreibend. Wir hatten entweder die Möglichkeit, auf der großen Hauptstraße zwischen Lastwagen, Motorrädern und Autos herumzuradeln, die doch etwas weniger defensiv fahren, als die Deutschen und auch beim überholen den Mindestabstand nicht besonders ernst nehmen, oder den Gehweg zu benutzen. Dieser war allerdings nicht besonders breit und hatte einen teilweise 20 cm hohen Kantstein. Bei jeder Querstraße mussten wir die schweren Räder herunter und mit mehr Schwierigkeiten wieder hinaufwuchten. Wir fragten uns, ob es wohl keine Rollstuhlfahrer gäbe, oder wie die zurechtkämen.
Schließlich wurde die Besiedlung immer dünner, und wir kamen an Dörfern vorbei. Trotz einiger Berge war die Stimmung gut, was auch an übermäßigem Verzehr von Müsliriegeln gelegen haben mag. Die Strecke, die Erika uns geschickt hatte, war zwar länger, dafür aber sehr schön und wenig von Autos befahren. Irgendwie schafften wir es trotzdem, in einem sehr kleinen Dorf den Weg zu verlieren. In diesem kleinen Dorf fragten wir eine Frau nach dem Weg. Sie verstand wohl nicht besonders viel von dem, was wir sagten, zumal wir den ungarischen Ortsnamen wahrscheinlich falsch ausgesprochen hatten, aber dennoch versuchte sie, uns gestikulierend auf Ungarisch den Weg zu erklären. Wir waren von ihrem Enthusiasmus schon sehr begeistert und verstanden auch so halbwegs die Wegbeschreibung, da holte sie ihr Handy heraus und rief ihren Freund an, der angeblich besser Englisch konnte als sie. Das war zwar nicht der Fall, das Ganze ist aber ein schönes Beispiel für die Freundlichkeit der Leute.
Wir fuhren also weiter, mit einem kleinen Umweg wieder auf der richtigen Route. Wir machten mehrmals halt, an einer Tankstelle und an einem Supermarkt (in irgendeiner Stadt). Zwischendurch sahen wir immer wieder zahlreiche Störche und deren Nester, die auf Pfählen neben der Straße standen.
Die letzte Wegstrecke ging schnurgeradeaus. Links von uns waren Getreidefelder, rechts Wiesen und über uns der knallblaue Himmel. In der Ferne konnten wir Dächer erkennen, die wir als Szolnok identifizierten. Es dauerte aber noch sehr lange, bis wir dort ankamen. Am Rand der Straße gab es manchmal kleine, lang gestreckte Dörfer, die doch tatsächlich einen Radweg hatten. Es waren auch einige Radfahrer unterwegs. Schließlich endete die Straße und wir folgten einem Wegweiser nach Szolnok. Der Weg ging über eine Brücke, die für Fahrradfahrer verboten war, aber da es keinen anderen Weg gab, fuhren wir weiter. Auf der Brücke begegnete uns dann auch noch ein weiterer Radfahrer. Wir beschlossen, die Schilder nicht mehr so ernst zu nehmen. Schließlich erreichten wir die Stadt. Doch wie soll man sich in einer Stadt zurechtfinden, in der man noch nie gewesen ist? Wir irrten eine Ewigkeit umher und fragten eine nette Ungarin, die dann auch prompt auf Ungarisch wasserfallartig auf uns einredete. Ich glaube eigentlich wollte sie nur sagen, dass sie es auch nicht wüsste. Nach einer weiteren Ewigkeit bogen wir in eine Straße ein, aus der uns - Jubel! - Erika entgegen kam. Sie saß auf einem Fahrrad und wollte gerade Milch kaufen. Gut, dass wir schon ein Foto von ihr gesehen hatten, sonst hätten wir sie wahrscheinlich gar nicht erkannt. Wir begrüßten uns und sie nannte uns die Hausnummer. Das ganze lief auf Deutsch ab, da sie Deutschlehrerin ist. Es gibt immer noch viele Deutsche in Ungarn, die mit der Ulmer Schachtel gen Osten geschippert sind. (Na gut, vielleicht nicht alle, aber Erika hat uns so begeistert davon erzählt, dass ich das einfach mal erwähnen musste.) Erika verschwand in Richtung Stadtzentrum und meinte noch, dass ihre Töchter auf uns warteten.
Wir fuhren also die Straße entlang und suchten nach der Hausnummer. Irgendwann fiel uns auf, dass wir die Nummer vergessen hatten. Na ja, wir hatten mittlerweile auch schon 125 km hinter uns und waren ziemlich müde. Also warteten wir einfach, bis Erika zurückkam. Sie fand das ganze relativ witzig und war dann sehr schockiert, als sie erfuhr, dass wir direkt von Budapest kamen, und nicht von Cegléd, etwa auf halber Strecke, wie sie gedacht hatte. Sie stellte uns ihren Töchtern, Judit und Eszter, vor und alle halfen uns, die Fahrräder in die Garage zu bugsieren. Dann gab es eine Dusche, Obst und Schokoladenkuchen. Glückseligkeit.
Wir unterhielten uns eine Weile, bis Erika verschwand. In ihre zweite Wohnung, wie wir später herausfanden. Die Töchter zeigten uns die Stadt, deren Besonderheit mehrere Mineralquellen sind. Uns erstaunten aber eher die sprechenden Ampeln. Warum haben wir so was in Deutschland nicht? "Die Fahrbahn ist jetzt frei, sie können die Straße überqueren", oder so ähnlich. Ist doch sympathischer als dieses Klicken, oder nicht?
Abends gingen wir dann mit den beiden Pizza essen. Ungefähr mit dem 3-fachen Belag von deutscher Pizza. Yeah! So um kurz vor 12 schliefen wir, etwas überrascht und unglaublich stolz, dass wir den langen Weg geschafft hatten, endlich ein.
 

5.8.08 11:06
 


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