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Szolnok

Obwohl wir erst eine Etappe hinter uns hatten, beschlossen wir, einen weiteren Tag bei Erika und ihrer Familie zu bleiben. Sie waren einfach zu nett, um sofort weiterzufahren. Wir begannen den Tag also mit einem gemütlichen Frühstück  und machten uns dann auf, mit dem Hund Sundie spazieren zu gehen. Sundie ist ein echter Reggae-Hund. Dreadlocks überall und mit einem Pony, der uns daran zweifeln ließ, ob sie überhaupt irgendetwas sehen könne. Nur das Temperament stimmte nicht so ganz. Sie war ständig am bellen, durch die Gegend rennen und uns vollsabbern. ...nachdem sie ihren Beschützerkomplex überwunden und uns als nicht feindlich eingestuft hatte.


Johanna und ich gingen also mit Judit, Eszti und Sundie spazieren. Wir kamen ungefähr bis in die Stadtmitte, dort riss sich das Wischmopetwas los und verursachte eine kleine Panik. Als wir sie dann wieder hatten, gingen wir mit Judit allein weiter, ihre Schwester brachte das wilde Ungetüm zurück nach Haus. Judit zeigte uns die Stadt, die Uferpromenade und eine von den vielen Quellen. Bei Szolnok fließen zwei Flüsse ineinander, die verschiede Farben haben. Im Wasser kann man eine Linie dazwischen erkennen.
In der Innenstadt wollte ich Geld abheben, doch irgendwie teilte mir der Automat mit, dass meine Karte nicht mehr gültig sei. Ich war sehr verwirrt und irgendwo in meinem Hinterkopf sammelte sich ein Gedanke an die Konsequenzen, die das nun haben könnte. Ohne Geld durch Rumänien, bzw. nur mit Johannas, was ja der Hälfte entsprach... war das auch zu schaffen? Ich fing gerade an, das ganze witzig zu finden, als mir einfiel, dass ich zur Not auch meine Eltern bitten könnte, das Geld von meinem Konto auf Johannas zu überweisen. Später entdeckte ich dann, dass nur eine meiner beiden Karten abgelaufen war.
Erholt von dem Schreck gingen wir mit Judit Schokoladentorte essen. Als Dankeschön für die Gastfreundschaft. (Vielleicht auch, weil wir einfach... Schokoladentorte essen wollten.) Eszti war ja leider wieder nach Haus gegangen und so mussten wir unseren Plan etwas abändern. Wir unterhielten uns übers Reisen und haben Judit, glaube ich, eine Menge Inspiration gegeben.
Als wir wieder bei ihr zu Hause ankamen, war ihre Schwester auch da. Den Rest des Tages saßen wir gemütlich beisammen und unterhielten uns. Schließlich kam Erika vorbei und zeigte uns ein paar Dias, die sie auf einer Reise nach Deutschland gemacht hatte. Sie war in Hamburg gewesen, aber auch in Süddeutschland. Sie erzählte uns, dass sie ihren Schülern dieselben Dias gezeigt hätte, und ihnen dazu immer sage, dass Hamburg nicht typisch deutsch sei, sondern eher die süddeutschen Städte. Das mussten wir natürlich richtig stellen, und diskutierten eine Weile mit ihr darüber. Ich glaube sie hatte eine Menge Spaß dabei. Sie hatte auch ein paar Fotos aus Rumänien dabei, die das in Deutschland verbreitete Bild bestärkten. (kaputte Straßen, heruntergekommene  Häuser und so.) Außerdem erzählte sie uns ein wenig über ihre Rumänienreise. Wir ließen uns aber nicht abschrecken und glaubten fest daran, dass nach den 10 Jahren, oder wie lange sie nicht mehr da gewesen war, sich einiges verändert haben musste. Außerdem hatten wir ja schon ein bisschen über die Problematik zwischen Ungarn und Rumänien erfahren, die vielleicht in ihren negativen Bemerkungen mitschwang. Irgendwann gehörte das gesamte Gebiet bis zum Karpatenbogen zu Ungarn. Nach dem zweiten Weltkrieg musste Rumänien nämlich große Teile dieses Gebietes, Transsilvaniens (Siebenbürgen auf Deutsch), an Ungarn abgeben. Wie und wann es nun wieder an Rumänien zurückging weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist da noch nicht wieder alles im Reinen. In der Innenstadt hatten wir z.B. das Plakat einer Band gesehen, die sich Carpatia nannte. Darauf war ein Gesicht zu sehen, mit der ungarischen Flagge bemalt. Was für eine Botschaft.
Erika schien unseren Plan, wirklich durch Rumänien zu fahren, auch nicht so besonders ernst zu nehmen. Vielleicht konnte sie sich einfach nicht vorstellen, warum jemand so etwas tun sollte. Aber das kannten wir ja schon. Später ging sie wieder, und wir blieben mit ihren Töchtern allein.
Wir unterhielten uns bis tief in die Nacht. Dabei lernten wir eine Menge ungarischer Wörter und erzählten uns gegenseitig ungefähr alle lustigen und nicht lustigen Geschichten, die wir kannten.  Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber irgendwann sangen die beiden ein wunderschönes ungarisches Schlaflied für uns. Und was uns noch mehr gefreut hat, wir durften sie dabei mit unserem Diktiergerät aufnehmen. Nun hatten wir also doch Musik dabei, wenn wir auch ohne MP3-Player losgefahren waren. Danach schrieben sie uns den Text auf Ungarisch und Englisch in unser Rotes Buch. (Das Reisebuch) Wir redeten und redeten und Judit versprach irgendwann, T-Shirts für uns zu bemalen. Sie hatte sich selbst nämlich ein Band-Shirt gemacht, das einfach genial aussah. Wir ermunterten sie, das ganze doch geschäftlich zu machen und wollten ihre ersten Kunden sein.
Schließlich wurden wir doch zu müde, um noch weiterzureden und gingen schlafen. Am nächsten Morgen wollten wir ja eigentlich früh aufstehen, um die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.

6.8.08 13:33
 


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