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Szolnok - Gyomaendröd

66,75km
 
Früh aufstehen, und zeitig losradeln. Das war der Plan. Letztendlich sind wir eher in Richtung Mittag losgekommen. Nach einem Frühstück, dem Einpacken diverser Nahrungsmittel als Proviant und natürlich auch dem Packen unserer Packtaschen, begaben wir uns zu dem eigentlichen Haus von Erika und ihrer Familie, um uns von ihnen zu verabschieden. Auf dem Weg dorthin wollten wir aber noch Postkarten kaufen, da wir uns vorgenommen hatten, von jedem Ort, an dem wir übernachteten mindestens eine mitzubringen. Platz für andere Souvenirs hatten wir ja schließlich nicht.  Am Haus angekommen trafen wir Erika und ihren Mann. Er hatte in der Zwischenzeit eine Route zu einem ungarischen Campingplatz herausgesucht, der sehr schön sein sollte. Wir beschlossen, unseren geplanten Weg zugunsten dieses Campingplatzes abzuändern. Erika hatte uns erklärt, dass er inmitten eines Naturschutzgebietes liege. Das ganze war aus einem begradigten Fluss entstanden, an dessen "toten" Flussarmen nun viele Wasservögel lebten. Außerdem hatte uns ihr Mann sogar den Wetterbericht ausgedruckt. Dazu hatte er noch zwei Warnwesten für uns besorgt (die man auf den Hauptstraßen tragen muss) und praktisch alles für uns durchgeplant. Wir hatten den Eindruck, dass er sich mehr Gedanken um unsere Fahrt machte, als wir selbst. Auf jeden Fall waren wir ganz gerührt von so viel Sorge. Zumal er sehr schüchtern war und Erika uns das alles erzählte und uns die Sachen gab. Wir machten noch ein paar Fotos von allen und verabschiedeten uns dann. Judit und Eszti brachten uns noch auf den richtigen Weg aus der Stadt hinaus, mit dem Fahrrad und auf Inline Skates.




Dann waren wir wieder auf dem Weg. Der Richtige war es allerdings nicht. Irgendwo in dem Gewirr aus Hauptstraßen Auf- und Anfahrten, bzw. deren kleiner Nebenwege, die durch Tunnel, auf und ab, irgendwie durch das Gewirr führten, hatten wir wohl die falsche Richtung eingeschlagen. Was für ein Glück, dass wir unsere 1,95 € - Globetrotter - Kompasse dabeihatten. Die kamen nun zum ersten Mal zum Einsatz und führten uns zurück auf den richtigen Weg. (Übrigens sind die echt super, nur Johannas hat sich irgendwo unterwegs umgepolt...)
Die ungewohnte Anstrengung der ersten Etappe hatten wir noch nicht ganz überwunden, und so kämpften wir uns stellenweise voran. Außerdem war es sehr heiß und die Sonne brannte auf uns herab. Irgendwo auf einer Landstraße war rechts eine Einfahrt und davor stand eine große Weide. Im Schatten machten wir eine Pause und löffelten den mittlerweile sehr matschigen Schokoladenkuchen, den wir mitgenommen hatten. Sehr appetitlich sah er nicht mehr aus, aber geschmacklich war er genau das Richtige, um uns wieder etwas fit zu machen. Daran, was wir mit dem Rest unseres Proviants, ein paar Pfirsichen, machen wollten, mochten wir gar nicht denken. Sie waren in einer Plastiktüte nun schon sehr zerquetscht und dank der Hitze mehr flüssig als fest.
Wir wurden immer langsamer und Johanna immer erschöpfter. Schließlich fanden wir auch den Grund: Eine Schraube an ihrem Gepäckträger hatte sich gelöst, so dass dieser jetzt am Reifen eine erhebliche Bremswirkung verursachte. Bis wir das Problem erkannt und behoben hatten, war sie aber schon einige km sozusagen mit angezogener Bremse gefahren. In einer kleinen Stadt schließlich tauschten wir die Schraube mit einer anderen (vom Flaschenhalter abgeschraubt) und konnten endlich weiterfahren. Erschöpft machten wir in einem kleinen Dorf halt, und beschlossen, etwas zu Essen zu besorgen. In der Phase, bevor man sich entscheidet, etwas zu Essen zu besorgen, ist die Stimmung ja meistens am Tagestiefpunkt angekommen, und so waren wir dementsprechend schon etwas gereizt. Wir überlegten uns, worauf wir nun am meisten Lust hätten und die Antwort war eindeutig: Joghurt! Und zwar Kirsche für Johanna und für mich Pfirsich. Dazu vielleicht noch einen Apfel. Ich ging also los, um im kleinen Laden irgendetwas zu finden, während Johanna auf die Räder aufpasste. Ich kaufte Wasser, suchte zwei Äpfel und ging zur Kasse. Ich zeigte auf die Joghurts, die im Regal standen und die Verkäuferin nahm die ersten beiden heraus. Und welche Sorten waren es? (: So ein Glück muss man erstmal haben. Die Stimmung war gerettet.
Wir waren trotzdem sehr erleichtert, als wir endlich Gyomaendröd und den Campingplatz erreichten. Die Umgebung war tatsächlich schön grün und direkt am Campingplatz befand sich ein See, oder Flussarm voller planschender ungarischer Camper. Irgendwie rafften wir ein bisschen Energie zusammen, entluden die Räder und bauten das Zelt auf. Dann kochten wir uns Nudeln auf unserem Campingkocher, auf einer Betonstufe neben unserem Zelt. Wir lungerten eine Weile herum, zu müde, um irgendetwas zu tun. Dann beschlossen wir, doch wenigstens kurz ins Wasser zu gehen. Dieser Entschluss endete damit, dass wir ein paar Minuten bis zum Bauch im Wasser herumstanden und  höchst philosophische Themen erörterten. Irgendwie kamen wir, ohne darüber gesprochen zu haben, überein, dass es doch ganz gut war, dass wir noch nicht ganz nass waren und beließen es dabei. Nach einer Dusche entspannten wir den Rest des Abends und gingen zur Abwechslung einmal früh schlafen.
Später schrieb uns Erika, die einige Zeit später mit ihrer Familie dort hingefahren ist, dass der Campingplatzbesitzer Deutsch-Ungar ist. Hätten wir das gewusst, hätten wir ihn sicherlich mit Fragen durchlöchert.


7.8.08 22:10
 


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