vonwestnachost - @ myblog.de
vonwestnachost - @ myblog.de
vonwestnachost

Gyomaendröd-Oradea

 132,34 km (8:10)
 
Dies war der letzte Tag in Ungarn! Auf nach Rumänien!
Nach der ersten Nacht in unserem Zelt fiel es uns nicht schwer, früh aufzustehen. Besonders bequem war es nicht gewesen. Zum Frühstück aßen wir das erste Mal unser selbstgemachtes Insant Müsli, in Tüten abgefülltes Müsli mit Milchpulver. Unsere anfängliche Begeisterung über das Müsli ließ im Laufe der Reise schnell nach. Dazu, bzw. hinein taten wir die Pfirsiche, die wir am Vortag noch mit Zucker eingekocht hatten. Wär ja schade drum gewesen, oder nicht? Außerdem verdeckten sie den Milchpulvergeschmack ein wenig.
Wir kauften noch ein bisschen Wasser am Campingplatz, packten alles zusammen und beluden die Räder. Das Ganze lief schon etwas routinierter ab. Dann schwangen wir uns auf die Räder und machten uns auf den Weg. Wir hatten sehr viel Spaß beim lesen der ungarischen Ortsnamen... Unsere Route führte uns über Körösladany, Szeghalom, Csökmö, Újiráz, Komádi, Magyarhomorog, Köröszakal usw. Ich denke das reicht, um einen Eindruck der ungarischen Sprache zu bekommen. Das Y am Ende wird übrigens nicht mitgesprochen, ist eher als eine Art Weichheitszeichen zu betrachten.
Auf jeden Fall fuhren wir also von Dorf zu Dorf und genossen das ungarische Landleben und die noch sehr guten Straßen. Wir kamen an einem sehr niedlichen Bahnübergang vorbei und an einem Fluss, in dem eine Horde Kinder badete. Die ganze Zeit freuten wir uns schon sehr auf den Grenzübertritt, den wir zwischen zwei Dörfchen geplant hatten. Hinter der Grenze wollten wir irgendwo unser Zelt aufschlagen. Die Begeisterung war also sehr groß, als wir das Schild "Körösnagyharsány", und somit das letzte Dorf vor der Grenze hinter uns ließen. Damit war allerdings auch die asphaltierte Straße hinter uns zurückgeblieben. Über einen immer sandiger und kleiner werdenden Feldweg fuhren wir weiter. Wir überholten einen kleinen Lastwagen, auf dessen Ladefläche drei, der Größe nach geordneten Menschen saßen. Der Fahrer sah uns etwas perplex an. Wir fragten uns schon ernstlich, ob der Weg nicht einfach irgendwo endete, und ob wir vielleicht einfach zwischen den Feldern kampieren sollten, als wir die Grenze erreichten. Sie bestand aus einer Schranke vor einem riesigen Gestrüpp. Daneben war ein Schild, das die Grenze anzeigte.
Erstmal fanden wir den Anblick irgendwie ziemlich lustig, aber das Problem der Übernachtung blieb. Außerdem war es schon später Nachmittag, sodass wir eigentlich nicht mehr weiterfahren wollten. Wir standen etwas planlos herum und überlegten, was wir nun tun sollten, als ein Polizeiauto den Sandweg entlang auf uns zukam. Es hielt neben uns an der "Grenze". Wir wagten die Flucht nach vorn und fragten sie nach dem Weg. Die beiden Polizisten konnten aber leider kein Englisch. So zeigten sie uns auf unserer Landkarte, dass wir zwei Dörfer zurück, und dann rechts Richtung Oradea fahren müssten. Dort war auch ein großer Grenzübergang eingezeichnet. Bis dorthin waren es aber mindestens noch 25km. Da wir aber schon 80km hinter uns hatten, und unseren Erschöpfungs- und Stimmungszustand als bedenklich einstuften, waren wir uns nicht sicher, es noch bis zur Grenze zu schaffen. Wir standen also unschlüssig und etwas verzweifelt herum, in der Hoffnung auf eine Erleuchtung. Die Polizisten, die wieder ins Auto eingestiegen waren, offensichtlich zufrieden, uns wieder auf den richtigen Weg gebracht zu haben, schienen von unserer Unschlüssigkeit nicht besonders begeistert zu sein. Sie stiegen aus und erklärten uns noch einmal den Weg, diesmal mit mehr Nachdruck. Daraufhin fuhren wir erst einmal los, um nicht noch als Schmuggler oder wer weiß was eingestuft zu werden. Auf der Karte entdeckten wir dann einen Campingplatz, der genau auf der Grenze eingezeichnet war. Wir legten ihn als unser neues Ziel fest und fuhren, ziemlich erschöpft und dementsprechend schlecht gelaunt weiter. Langsam wurde es auch immer dunkler, und das, obwohl wir doch eigentlich beschlossen hatten, nur tagsüber zu fahren. Um etwa halb 9 erreichten wir dann die "Grenzumgebung". Anders kann man es nicht sagen, denn es waren mehrere Dörfer, die irgendwie fließend ineinander übergingen. Ich glaube, dass wir sogar ein Campingplatz-Schild gesehen haben, aber sicher bin ich mir da nicht mehr. Jedenfalls fuhren wir immer weiter, fragten Leute nach dem Campingplatz, aber niemand wusste etwas. Wir bogen auf die kleine Nebenstrecke zur großen Straße ein, die über die Grenze führte. Die große Straße war irgendwie autobahnähnlich, und für Fahrräder verboten. Wir folgten also der Nebenstraße, in der Hoffnung, doch noch den Campingplatz zu finden, der etwa auf Höhe der Grenze eingezeichnet war. Irgendwann endete die Nebenstraße mit einer Schranke. Dahinter befand sich eine Art Baustelle oder Industrieanlage, die links an die große Straße grenzte. So langsam waren wir echt verzweifelt und fragten uns, ob wir einfach irgendwo im Gestrüpp campen sollten. Auf dem Industriegelände stand ein Haus, das irgendwie nach Wohnhaus aussah. Verzweifelt, wie wir waren, schlängelten wir uns an der Schranke vorbei und klingelten. Vielleicht wusste ja jemand, wo der Campingplatz war, oder wie man sonst noch über die Grenze käme. Mittlerweile war es echt dunkel und wir wollten nur noch einen Schlafplatz finden. Leider machte uns niemand auf. Wahrscheinlich war es doch nur ein Verwaltungsgebäude gewesen. Wir diskutierten eine Weile, was wir jetzt tun sollten, und beschlossen, auf dem Industriegelände bis zur Straße weiterzufahren, und dort jemanden zu fragen. Am Straßenrand angekommen lehnten wir die Räder an einen Laternenpfahl, kletterten über den Graben zur Straße hin und beeilten uns, zwischen Lastwagen und Autos auf die andere Straßenseite zu kommen. Dort standen nämlich mehrere Essensstände und kleine Häuschen. In einem Imbiss erklärte uns die Frau, dass sie nichts von einem Campingplatz wisse. Mit den Fahrrädern sei es aber kein Problem, über die Grenze zu kommen. Wir sollten einfach am Rand fahren. Das ganze wohl gemerkt auf Ungarisch, da sie kein Englisch sprach. Aber mittlerweile waren wir ganz gut darin, uns mit Mimik, Gestik und Wortklang zu verständigen. Wir berieten uns kurz, und beschlossen dann, einfach weiterzufahren, vielleicht gab es da noch eine andere Übernachtungsmöglichkeit. Wir kehrten also zurück zu unseren Fahrrädern, die glücklicherweise noch da waren. Irgendwo fanden wir auch eine Stelle, wo wir sie über den Straßengraben bugsieren konnten. Am Rand und auf dem Seitenstreifen fahrend erreichen wir dann schließlich die Grenze. Dort blieben wir unschlüssig stehen. Als was sollten wir uns einordnen, Pkw, Lkw oder Bus?
Doch wir hatten Glück. Es kam ein ungarischer Grenzbeamter vorbei, der sich unserer annahm. Er war noch sehr jung und wir unterhielten uns eine Weile, während er uns zum richtigen Übergang brachte. Er war sehr erstaunt, dass sich zwei Mädchen allein nach Rumänien wagten. Selbst direkt an der Grenze gab es dieselben Vorurteile, wie bei uns zu haus. Ob dann nicht doch etwas dran sein musste? Nach einer Weile fanden wir heraus, dass er als Au Pair ein Jahr in Deutschland gewesen war. Und zwar in der Nähe von Hamburg, irgendwo im Alten Land. Daraufhin waren wir natürlich alle sehr begeistert. Leider wusste aber auch er nichts von einem Campingplatz. Dafür fragte er aber seine rumänischen Kollegen, die uns daraufhin einen Campingplatz in Baile Felix zeigten, der von Oradea aus noch weitere 20 km südlich lag. Das kam also nicht in Frage. Schließlich warf unser ungarischer Grenzbeamter noch einen kurzen Blick auf unsere Ausweise und wünschte uns eine gute Fahrt.
Wir waren also in Rumänien. Und schliefen fast beim fahren. Ich zumindest. Johanna radelte voran, auf dem teilweise versandeten Seitenstreifen, an Motels und Bauruinen vorbei, neben den uns überholenden Lastwagen und Autos vorbei. An Straßenhunden und Fußgängern. Ich war so fertig, dass ich in irgendeins dieser blöden Motels gegangen wäre. Aber Johanna war dagegen und wollte noch bis Oradea weiterfahren. Das hatte nun Mordgedanken meinerseits zur Folge. In dem Sand des Seitenstreifens wäre ich noch fast hingefallen. Irgendwie quälten wir uns also weiter durch die Nacht, 10 km bis nach Oradea. Die erste rumänische Stadt, die wir zu Gesicht bekamen. Irgendwie gruselig im Dunkeln. Auf einer Bank in einer kleinen Parkähnlichen Anlage hielten wir eine kleine Lagebesprechung ab. Es war mittlerweile ungefähr 20 vor 11 und es war stockfinster. Johanna holte ihren Reiseführer irgendwo aus den Tiefen ihres Gepäcks und suchte eine Übernachtungsmöglichkeit. Wir hatten auch noch kein rumänisches Geld. Irgendwo am Eingang nach Oradea hatten wir ein Schild "Hotel" gesehen, das nach links in eine Straße gewiesen hatte. Wir folgten also dieser Straße. Mittlerweile war es uns relativ egal, wo wir schlafen würden, Hauptsache wir hätten ein Bett. Wir fanden das Hotel, dass irgendetwas zwischen 3 und 4 Sternen hatte. Johanna ging hinein, um nach dem Preis zu fragen. Als sie wieder herauskam strahlte sie sehr. Sie hatte für uns einen Sonderpreis ausgehandelt. Ein Doppelzimmer zum Preis eines Einzelzimmers, mit Frühstücksbuffet. Ein alter Rumäne zeigte uns, wo wir die Räder anschließen konnten und wollte unser Gepäck nach oben tragen. Uns tat er aber ziemlich leid, sodass wir den größten Teil der Sachen selbst nahmen. Als wir ihm trotzdem ein Trinkgeld gaben strahlte er sehr. Wir genossen eine warme Luxusdusche, aßen noch ein bisschen Brot und fielen dann todmüde ins Bett.

8.8.08 14:45
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de
Gratis bloggen bei
myblog.de