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Oradea - Baile Felix


20km

Wir schliefen aus, was wir uns nach der Strapaze am Vortag ja auch verdient hatten. Außerdem waren die Betten einfach nur extrem gemütlich. Dann gingen wir Frühstücken. Wenn man schon das Buffet bezahlt hatte, dann musste man es ja schließlich auch ausnutzen. Wir saßen also ewig am Frühstückstisch und freuten uns ungemein, nun endlich in Rumänien zu sein. Nachdem wir ausgeschlafen und etwas gegessen hatten, war auch die Stimmung wieder gut.
Während wir so beisammensaßen und noch nicht realisierten, dass unsere Reise praktisch gerade erst begonnen hatte, entschieden wir, es erst einmal langsam angehen zu lassen. Wir wollten nur 20 km, bis zum von den Grenzleuten angepriesenen Campingplatz nach Baile Felix fahren. Außerdem sollte es dort Thermalquellen geben.
Als wir fertig gefrühstückt hatten, packten wir unsere Sachen und brachten sie dann nach unten, wo wir unsere Fahrräder zusammengeschlossen hatten. Nach einem kurzen Schreck entdeckten wir sie ein Stück weiter, unter einem Vordach wieder. In der Nacht hatte es geregnet, und vielleicht hatte sich der nette alte Rumäne um sie gekümmert. Wir wussten allerdings nicht so genau, wie er wohl die beiden aneinandergeschlossenen Räder vom Fleck bewegt haben mochte. Nachdem wir alles drauf und drangehängt hatten, und nebenbei noch einer rumänischen Unterhaltung gelauscht hatten, machten wir uns auf den Weg. Zuerst einmal mussten wir Geld holen. Das Hotel hatten wir glücklicherweise in Euro bezahlen können.
Wir fuhren also in Richtung "Centru", auf der Suche nach einer Bank. Wir schlängelten uns auf dem Bürgersteig um parkende Autos und Menschen herum, bis wir auf der anderen Seite tatsächlich eine Bank erspähten. Wir gingen hinüber und ich ging zum Automaten, um Geld abzuheben. Während ich also so da stand kam eine Frau mit einem kleinen Kind auf dem Arm auf uns zu. Sie sagte etwas auf Rumänisch, es war aber auch so zu erkennen, dass sie Geld von uns wollte. Sie sah eigentlich recht harmlos aus, mit fleckigen Klamotten und Gummischlappen, trotzdem bekam ich ein bisschen Angst. Die ganzen Warnungen, die man uns mit auf den Weg gegeben hatte, waren doch in meinem Unterbewusstsein verankert. Johanna schenkte ihr einen Traubenzuckerlutscher. Was hätten auch ein paar Lei am Schicksal dieser Frau geändert? Als sie merkte, dass sie kein Geld von uns bekommen würde, verschwand sie wieder. Mit etwas mulmigem Gefühl fuhren wir weiter.
Die Häuser um uns herum sahen alle relativ heruntergekommen aus, und man sah ihnen die Armut ihrer Bewohner an. In Richtung Zentrum wurden die Bauten größer und man sah ihnen noch vergangene Pracht an. Restaurierte Gebäude waren nur im Stadtkern zu sehen. Diese waren dann aber umso schöner. In einer Fußgängerzone hielten wir an, um Postkarten zu kaufen. Wir konnten uns allerdings nicht dazu durchringen, unsere verbleibenden Forint in rumänisches Geld umzutauschen. Auf einer Bank saß ein Mann, der auf einem uns fremden Instrument "Hare Krishna" spielte und dazu mit einer wunderschönen Stimme sang. Gänsehautstimmung.
Etwas später sahen wir dann auch Oradeas bekannteste Sehenswürdigkeit: die Mondkirche. Zumindest war sie in Johannas Reiseführer sehr angepriesen. Sie sah auch recht hübsch aus, mit der sich je nach Mondphase verändernden Mondabbildung über dem Eingang.
Wir fuhren weiter durch Oradeas Straßen und folgten den Wegweisern nach Baile Felix, als wir die Richtige Richtung gefunden hatten. Am Stadtrand sahen wir immer wieder grüppchenweise Rumänen am Straßenrand stehen. Sie wollten anscheinend mitgenommen werden. Der Reiseführer meinte dazu, dass Trampen hier ein gängiges Fortbewegungsmittel sei, da sich viele Menschen kein eigenes Auto leisten können. Wir wurden oft angehupt, teils aus Begeisterung (dann verbunden mit wildem winken und Rufen), teils aus Aggression (na wer weiß), aus Machogehabe, oder einfach nur als Warnung vorm Überholen. Bis wir herausgefunden hatten, dass meistens das letzte der Fall war, erschreckten wir uns einige Male. Am Straßenrand herrschten nun Geröllberge und Bauruinen, sowie Neubauten vor. Wir fuhren in eine boomende touristische Region, und daher gab es viele Hotels und Pensionen, die noch im Bau begriffen waren.
Es regnete kurz und wir wurden ziemlich nass, aber bei der Hitze war das eine schöne Abwechslung. Wir erreichten Baile Felix relativ schnell und machten uns auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Da wir den Campingplatz auf Anhieb nicht fanden, fragten wir in den massenhaft vorhandenen Pensionen nach. Die billigste und im Reiseführer empfohlene lag etwas außerhalb der Stadt. Wir fuhren also weiter und fanden sie schließlich auch, aber leider war kein Zimmer mehr frei. (Wir hätten ja auch im Vorgarten gecampt, aber das schien ihnen nicht sehr zu gefallen...) Wir fuhren also zurück in die Stadt und hörten uns dort um. In fast allen Pensionen konnte man aber immer nur 2 Nächte bleiben, warum auch immer. Außerdem waren die Preise überteuert (für rumänische Verhältnisse jedenfalls). Wir fragten uns von einem Haus zum nächsten, bis wir dann doch noch einen Campingplatz fanden. Besser gesagt ein umfunktionierter Parkplatz, aber dafür so billig, dass wir die Hotelnacht schon fast wieder ausgeglichen hatten. Der Campingplatzmensch fragte uns auch gleich woher wir kämen. Wir fragten ihn, was er denn denke und er tippte auf Polen. Dann meinte er, dass sie viele Fahrradfahrer aus Polen hätten. Von den beiden Polen, denn es waren genau genommen zwei, hörten wir im Laufe unserer Reise mehrmals. anscheinend fuhren sie eine ähnliche Strecke und waren uns um ein paar Wochen voraus. Mehr Tourenradler waren wohl zu der Zeit im Land nicht unterwegs.
Wir schlugen also gemütlich unser Zelt auf und schlossen unsere Räder erst an einem Baum, dann an dem Metallrohr fest, das hinter unserem Zelt entlanglief. Dann setzten wir uns auf den Kantstein vor unserem Zelt und kochten uns eine Nudelsuppe. Da machten wir auch Bekanntschaft mit einem Rumänen, der fröhlich auf uns einredete. Als er dann merkte, dass wir kein Rumänisch sprachen, versuchte er es auf diversen anderen Sprachen. Wir entschieden uns schließlich für Spanisch und kamen damit ganz gut zurecht.
Nachdem wir gegessen hatten, wollten wir eigentlich schwimmen gehen. Thermalquellen muss man ja schließlich ausnutzen. Wir packen also ein paar Sachen in Johannas Rucksack und schlenderten durch die Gegend. Leider sahen wir nur so eine Art Freibad, das überfüllt aussah. Wir ließen es also bleiben und beguckten stattdessen die gigantischen Seerosen. Wegen der vielen Mineralien waren sie etwa eineinhalb Meter hoch. Wir sahen auch ein Auto mit Quebecer Kennzeichen. Je me souviens (: Wie auch immer es vom einen Kontinent auf den anderen gekommen sein mag... Auf jeden Fall gerieten wir in nostalgische Stimmungen und unterhielten uns über unsere Auslandshalbjahre und sonstigen Reiseerfahrungen. Irgendwo unterwegs kamen wir zu einem Melonenstand. Melonen werden in Rumänien massenweise angebaut, genauso wie Gurken und Tomaten. Dementsprechend waren sie sehr billig. Und dazu noch bio, da die wenigsten rumänischen Bauern Geld für Spritzmittel aufbringen können. Wir gaben unserem Drang nach, eine Melone zu kaufen, säbelten sie am Stand durch und schleppten sie zurück zum Zelt. Dort fand dann das große Melonenwettessen statt. Jeder mit einem Löffel bewaffnet und einer halben Melone vor sich. Es war ein harter Kampf und am Ende gewann Johanna ganz knapp. Also meine Theorie ist ja immer noch, dass ich die größere Hälfte hatte. Auf jeden Fall verdarben wir uns mit dieser Aktion die Lust auf Wassermelone für einige Zeit.
Wir gingen früh schlafen und hatten die ganze Nacht Angst um unsere Fahrräder, die ein Stück weit vom Zelt angeschlossen waren. Da kann man mal sehen wie tief die Vorurteile und Ängste uns beeinflusst hatten. Als wir nachschauten waren sie allerdings noch da, und auch am nächsten Morgen noch.

9.8.08 22:40
 


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