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Beius - Garda de Sus

65 km

Die nette Pensionsmutter hatte für uns die nächste Pension in Garda de Sus telefonisch vorgebucht, und so fuhren wir gut gelaunt los. Wir folgten der Straße weiter, an der die Pension lag und so langsam wurden die Häuser auch immer neuer, und weniger. Schließlich gab es rechts und links nur noch selten Gebäude. Wir fuhren an einem Autohändler und an einer Tankstelle vorbei, dann hatten wir Beius verlassen. Wir fuhren unter Strommasten hindurch, die laut summten, ein echt nerviger Ton in der sonst um uns herrschenden Stille. Vor uns sahen wir viel Landschaft und sonst eigentlich nichts. Es war wunderbar einfach so aus der Stadt ins Nirgendwo zu fahren. Vor uns tauchten einige Berge auf. Irgendwann fuhren wir an einer Fabrik vorbei, um die etwas mehr Leben herrschte, dann war auch das wieder vorbei. Später ging es dann bergauf. Durch waldiges Gebirge könnte man sagen. Wir fühlten uns wie in Österreich. Rechts von der Straße war eine niedrige Mauer und dahinter ging es Steil bergab. Stellenweise folgten wir auch einem Fluss. Flussaufwärts. Das trägt natürlich nicht unbedingt zur Motivation bei, da es logischerweise immer weiter bergauf geht, so lange dieser Fluss neben einem bergab fließt. Um ehrlich zu sein waren wir nach einiger Zeit ziemlich am Kämpfen. Immer vermuteten wir hinter der nächsten Kurve den Gipfel des Berges, der auf unserer Karte einfach nur winzig klein eingezeichnet war. Er konnte also gar nicht so hoch sein. Oder doch? Als wir schließlich an einen Punkt kamen, von dem aus wir die ganze Umgebung überblicken konnten, machten wir Pause. Wie immer, wenn wir erschöpft waren, vom ständigen Bergauffahren frustriert und müde, fühlten wir uns trotzdem verpflichtet, irgendetwas Positives zu sagen. So sind wir nun mal. Daraus wurde meist ein gekeuchtes "Boah, ist das schön hier!", das aus tiefstem Herzen kam. Was nützt es auch, herumzujammern? Man ist schließlich nur einmal an jedem Ort. Trotzdem konnte dieses "Ist das schön hier!" uns auch keine Energie mehr geben. Neben uns fuhren ab und zu Autos vorbei. Außer uns war natürlich niemand so blöd, diesen Berg mit dem Fahrrad erklimmen zu wollen. Halb schiebend, halb fahrend machten wir uns wieder auf den Weg. Ein kleiner Lastwagen mit einer Kuh auf der Ladefläche überholte uns. Nicht einmal die Kuh musste aus Muskelkraft hier hinauf... Immer wieder begegneten uns Tiere am Straßenrand. Eine weitere Kuh zum Beispiel stand, gemütlich auf einem Büschel Gras herumkauend, am rechten Straßenrand im Gestrüpp und guckte mich etwas perplex an (genauso wie ich sie anguckte), als ich im Schneckentempo an ihr vorbeiradelte. "Moin." Die Situation hatte schon etwas sehr skurril-komisches. Johanna war mir ein gutes Stück voraus und ich war auch moralisch ziemlich am Ende. Da brachen neben mir aus dem Gebüsch ein paar Schweine hervor und liefen vor mir auf die Straße, in Richtung Johanna. Was für ein Augenblick (: Da musste ich doch trotz der Erschöpfung erst einmal lachen und ein Foto machen. So ging es also weiter, wir konnten echt nicht mehr und hatten beide schon darüber nachgedacht, einfach einen Lastwagen anzuhalten. Beim nächsten Stopp sprach Johanna diesen Gedanken aus und nahm auch gleich Blickkontakt zum erstbesten Lastwagen auf. Dieser hielt doch tatsächlich an. Das Glücksgefühl, das wir in diesem Augenblick empfanden, lässt sich gar nicht beschreiben. Ohne diesen Lastwagen wären wir an diesem Tag nicht angekommen. Die beiden Männer unterhielten sich ein wenig mit uns und hoben dann die Räder auf die Ladefläche, auf der schon Holzlatten aufgeladen waren. Das Ganze sah so aus, als würde es im nächsten Moment herunterfallen, weil sie hinten weit über die geöffnete Ladefläche hinausragten. Wir spekulierten, ob sie uns wohl der Stabilität halber mitnahmen. Jedenfalls machten wir es uns so gut es ging neben den Rädern bequem und strahlten nur so durch die Gegend. Wir fuhren eine geraume Weile und uns wurde bewusst, wie viel Berg uns damit erspart blieb. Es ging mindestens 10 km steil bergauf. Es wurde auch immer kälter, aber das war in dem Moment egal. Als sie uns schließlich absetzten, schenkten wir ihnen eine Tüte Bonbons, etwas anderes hatten wir nicht dabei, und bedankten uns. Von dort aus ging es den Rest des Tages nur bergab. Ich glaube ich bin noch nie so schnell gefahren wie an diesem Tag. Wir rauschten an allem nur so vorbei und hatten unglaublich viel Spaß dabei. Rechts und links von uns sahen wir nun die schöne Landschaft des Apuseni Gebirges. Überall sahen wir Holzfälleranlagen und kleine Bauernhäuser, die witzig geformte Strohhäufchen vor der Tür hatten. Immer wieder rief man uns Grüße zu und wir freuten uns sehr über die Freundlichkeit der Menschen. Irgendjemand rief "Bon voyage" oder so etwas, und ich antwortete reflexartig "merci!". Wie wir später erfuhren war das durchaus die korrekte Antwort, da "merci" ins Rumänische übernommen worden war. Wir rauschten also bergab, bis wir Garda de Sus erreichten. Dort hielten wir an, da wir das in Johannas Reiseführer hoch gelobte traditionelle Maisbrei-Gericht bei "Mama Utza" essen wollten. Während wir also dort saßen und warteten, wurde uns bewusst, dass wir eigentlich die ganze Zeit nur bergauf gefahren waren. Und zwar mindestens 50 km. Diese Erkenntnis ließ uns dann auch unseren Ermüdungszustand verstehen. Wir genossen das Essen umso mehr und unterhielten uns mit der Familie, die mit uns am Tisch saß. Sie waren sehr freundlich und brachten uns die rumänischen Wochentage bei. Außerdem erzählten sie uns allerhand über Rumänien, die Küste und die Roma (Zigeuner). Einer von ihnen sprach Deutsch, und so konnten wir uns problemlos unterhalten. Er meinte, dass wir im Süden, also in der Umgebung von Bukarest und in Richtung Küste besonders vorsichtig sein sollten, da die Roma oft kriminell seien und besonders an der Küste viel von Touristen gestohlen werde. Aber mal ehrlich, in welchem Land werden Touristen nicht beklaut? Als wir fertig waren brachte die Familie uns noch bei, nach der Rechnung zu fragen und verabschiedete sich dann von uns. Wir gingen auch und hatten einige Schwierigkeiten, die bepackten Räder über die Böschung wieder auf die Straße zu bekommen. Aber gleich kam uns jemand zur Hilfe. Nach einiger Zeit hatten wir auch unsere Pension gefunden, die ein Stück weiter, außerhalb des Zentrums, wenn man es denn so nennen kann, lag. Dort begrüßten uns ein sehr freundlicher Hund und eine noch freundlichere Pensionsmutter, die uns unser Zimmer zeigte. Es war alles aus Holz und urgemütlich. Müde, wie wir waren entspannten wir den Rest des Tages. Wir liefen noch ein wenig im Dorf umher, das genau so aussieht, wie man sich ein transsilvanisches Dorf vorstellt. Besonders die alte Kirche fanden wir Klischeefilmreif. Wir beschlossen, zwei Nächte zu bleiben und am nächsten Tag zur Eishöhle, der Attraktion der Region zu wandern.

11.8.08 15:32
 


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