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Eishöhle (Ghetarul de la Scarisoara)

Wir genossen das wunderbare Frühstück von unserer lieben Pensionsmutter, Brot, Käse, Tomaten, Spiegeleier und Kaffee, von denen die Eier und die Milch frisch gelegt (besonders die Milch) und die Tomaten wahrscheinlich extra für uns geerntet worden waren. Der Mann zur Herbergsfrau war auch sehr nett und fragte uns höflichst auf Deutsch, ob wir noch etwas wünschen. Später versuchten wir, ihn nach dem Weg zur Eishöhle zu fragen und da stellte sich heraus, dass er gar kein Deutsch verstand. Mit unserem Rumänisch kamen wir auch nicht viel weiter, aber ein anderer Gast konnte Englisch und half uns weiter. Gut beraten machten wir uns auf den Weg zu unserer ersten Wandertour. Wir hatten warme Klamotten, Essen und Trinken in Johannas Rucksack gepackt und wechselten uns beim Tragen ab. Dort, wo der Plan der Umgebung aufgestellt war, sahen wir auch weitere Wandersleut, die verdächtig südtirolerisch aussahen. (Ich glaube das war der Punkt, an dem wir beschlossen, doch auch einmal nach Südtirol zu fahren.) Außerdem sprach uns ein alter Rumäne mit Hut und ohne Zähne an, der irgendwie sympathisch war. Ohne dass wir uns verstanden hätten, unterhielten wir uns eine Weile. Solche echten Klischeerumänen begegneten uns auf unserer Reise immer wieder und waren ausschließlich sehr freundlich und um Kommunikation bemüht, meist mit eher mäßigem Erfolg.
Wir stiefelten also los und waren sehr begeistert, wie fit wir schon geworden waren. Wir überholten alle anderen, die denselben Weg gingen wie wir. Bis auf eine französische Familie, die sich hartnäckig vor uns hielt. Unterwegs, etwa auf halber Höhe des Berges trafen wir zwei Frauen, die gerade Pause machten. Sie waren sehr freundlich und erstaunt, als sie unsere Geschichte hörten. Zwei Mädchen allein unterwegs, das fanden sie doch sehr gefährlich. Eigentlich war das eine etwas merkwürdige Meinung, da die beiden doch auch allein unterwegs waren. Der Weg führte über wunderbar grüne Wiesen und an den typischen Holzberghütten vorbei, mit den lustigen Heuhaufen, die auf einen Pfahl geschichtet sind, davor. Viel zu schnell waren wir oben angekommen. Es war ein kleines Dörfchen, das augenscheinlich vom Tourismus profitierte. Neben alten Holzhütten und mehr oder weniger frei herumlaufenden Pferden (mit Fußfessel und Glöckchen) gab es auch einige Souvenirstände, die alles Mögliche verkauften. Ausgeschlossen etwas im Sinnzusammenhang mit der Höhle oder der Region stehendes. Der Weg ging noch ein Stück weiter über Wurzeln und durch den Wald. Am Wegesrand verkauften Kinder selbstgesammelte Beeren oder Blaubeerpfannkuchen. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob es sich um Romakinder handelte oder nicht. Schließlich erreichten wir die Eishöhle, vor der eine erstaunliche Menschenmenge wartete. Ich stellte mich an und Johanna ging Karten kaufen. Es hatte eine Weile gedauert, bis wir das System verstanden hatten. Hinter uns standen die Franzosen. Ich weiß nicht mehr wie, aber irgendwie kamen wir ins Gespräch. Die Frau war sehr begeistert, als sie hörte, dass ich in Paris gewesen war, dazu noch am Nationalfeiertag. Dass ich aber das Feuerwerk nicht gesehen hatte, schockierte sie ein wenig. Ihr kleiner Sohn war sehr niedlich. Als Johanna und der Franzose, der auch Karten holen gegangen war, wiederkamen, konnten wir auch schon bald durch die Gittertür und die Treppe hinunter zur Höhle. Es sah so aus, als hätte man mitten in das Grün des Waldes ein tiefes Loch gegraben. Und an den irre steilen Wänden dieses Loches hatte man Metallleitern befestigt, wie auch immer. Mir war das ganze etwas suspekt, da das Geländer teilweise nur mit Draht befestigt war, und alles etwas wackelig aussah. Außerdem war es eindeutig schon ein paar Jahrzehnte alt. Es ging etwa fünfzig Meter nach unten. Wir mussten immer wieder warten und zogen uns, da es immer kälter wurde, je tiefer wir kamen, ein Kleidungsstück nach dem anderen über. Die Franzosen hinter uns taten dasselbe und witzigerweise hatten sowohl die Frau, als auch Johanna und der kleine Sohn Kniestrümpfe an. Als wir schließlich unten ankamen war es ziemlich kalt. In der Höhle sahen wir Tropfsteinhöhlenähnliche Formationen, aus Eis. Sie waren ziemlich beeindruckend besonders im hintersten Winkel der zugänglichen Höhle. Trotz der Schilder, dass man das Eis nicht betreten dürfe, standen massig Leute vor einem großen Eisberg und machten Fotos. Nachdem wir eine Runde gemacht hatten, ging es wieder nach oben. Wir waren mittlerweile etwas durchgefroren und freuten uns über die zunehmende Wärme. Oben angekommen waren wir froh, nicht mehr auf die Stabilität der Treppen-Drahtkonstruktion angewiesen zu sein. Wir gönnten uns trotz aller Fuchsbandwurm-was-auch-immer-Gefahren einen Blaubeerpfannkuchen und machen uns gemütlich wieder an den Abstieg. Irgendwo unterwegs überkam uns der Drang, unseren eigenen Weg zu gehen, und so folgten wir nicht mehr der schlechten Ausschilderung, sondern nahmen kleine Schleichwege. Zwischen Feldern und Gestrüpp kamen wir auch irgendwie wieder unten an.
Wir gingen noch einkaufen und durften die Küche unserer Pension benutzen, wo wir irgendetwas Bruschetta - ähnliches herstellten.
Vom hospitalityclub hatten wir noch eine Zusage bekommen. Und zwar von Marius, der in Alba Lulia, unserer nächsten Station wohnte. Wir telefonierten mit ihm und meldeten uns an. Dabei verwechselten wir ihn mit Mark, thespoonman, der uns auch beherbergen wollte. Mark wohnte in Sighisoara, nördlich von Sibiu. Wir hatten schon vorher etwas über ihn gelesen und erfahren, dass er Löffelschnitzer von Beruf war. Das inspirierte uns sehr, zumal wir schon längst die essentielle Wichtigkeit von Löffeln entdeckt hatten. (Auf Reisen sollte man auch jeden Fall immer mindestens einen in der Tasche haben. So kann man mal eben im Supermarkt oder in einem kleinen Magazin mixt einen Joghurt kaufen. Oder eine Melone essen. Oder geschmolzenen Schokoladenkuchen. Es gibt tausend Gründe für einen guten Löffel.) So versuchten wir uns selbst im Löffelschnitzen. Wir bemerkten zwar schnell, dass Marius und nicht Mark in Alba Lulia wohnte, aber das hielt uns nicht von unserem Plan ab. Wir kletterten gegen Abend ein Stück am Straßenrand den Hügel hinauf und machten es uns bequem. Wir waren auch wirklich sehr motiviert bei der Sache, wie wir später aber merkten, konnten wir uns mit Mark nicht im Geringsten messen. Was soll man da machen.

12.8.08 22:23
 


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