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Alba Lulia - Ocna Sibiului

Wir brachen früh auf. Der Weg war lang und beschwerlich und wir wollten nicht in Eile verfallen. Freundlicherweise brachte uns Andrea mit ihrem Jeep noch auf den richtigen Weg aus Alba hinaus. Besser gesagt, sie fuhr langsam vor uns her und wir versuchten hinterherzukommen. Wir dankten ihr für ihre Gastfreundschaft und verabschiedeten uns. Sie wünschte uns viel Glück und alles Gute, wir freuten uns schon auf die Fantasialand-Aktion. Wir fragten noch, ob es bergauf gehen würde und sie meinte ja, aber nicht sehr weit.

Also machten wir uns frohen Mutes auf den Weg und radelten bergan. Es war ein wunderschöner Tag, blauer Himmel und Sonnenschein. Das hieß aber leider auch brütende Hitze. Zwischen Feldern kämpften wir uns immer weiter einen Berg hoch. Wenn wir anhielten, konnten wir hinter uns, weit weit unten, Alba Lulia sehen. Wir konnten sehr schnell nicht mehr und schoben Stück für Stück unsere Räder weiter. Da kam hinter uns eine Pferdekutsche den Berg hinauf und überholte uns. Wir wagten gar nicht, uns Hoffnungen zu machen, aber ein Stück vor uns hielt sie an. Darauf saßen eine Frau, ein Mann und deren superniedlicher kleiner Sohn. Sie sahen ärmlich aus, lächelten aber sehr freundlich und fragten uns anscheinend, ob sie uns mitnehmen sollten. Wir verstanden sie nicht wirklich und guckten sie nur hoffnungsvoll an. Der Mann stieg ab und hievte mit unserer Hilfe die beiden Räder auf den Karren (der dafür doch eigentlich viel zu klein war?). Dann bedeutete er uns, auch wir sollten aufsteigen. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie hatten wir auch noch Platz. Das Pferd tat mir ein bisschen leid, aber im Grunde waren wir auch arm dran und hatten uns ein wenig Pause verdient. Wir unterhielten uns so gut es ging mit der Familie. Irgendwie fragte er uns wohl, ob das Wetter bei uns auch so schön wäre. Dann meint er, ein Pferd sei genauso gut wie ein Auto. Wir stimmten ihm lachend zu. Die ganze Zeit über lachte sein niedlicher Sohn. Ein gutes Stück weiter oben bogen sie ab und setzten uns ab. Wir bedankten uns und schenkten dem Sohn ein paar Murmeln und ein kleines Kuscheltier. Sein Strahlen war einfach nur unglaublich niedlich und auch die Eltern schienen sich sehr zu freuen. Leider ging es aber weiterhin bergauf.

Irgendwann, nach endlosen Strapazen (so kam es uns jeweils vor), hielt Johanna, die ein Stück vor mir fuhr an. Ich holte sie ein und fragte, was los sei. Sie meinte "Guck, da vorne. Wir sind am höchsten Punkt angekommen. Ich wollte diesen Augenblick mit dir zusammen genießen." Und wirklich, ein Stück weiter ging es bergab. Gemeinsam rasten wir gut gelaunt die Serpentinen hinab. Irgendwann überholte uns ein Rennradfahrer. Der sah so aus, als ob er für die Tour de France trainierte, aber das war nur unsere Theorie. Jedenfalls war er irre schnell und sah dabei sehr professionell aus. Außerdem ist Rumänien ja wohl die perfekte Übungslandschaft für die Tour de France. Es ist heiß, es gibt viele Berge und die meisten Nebenstraßen sind leer. Die besten Voraussetzungen also. Wir kamen unten durch ein paar kleine Dörfer, von denen eins eine wirklich seltsame Straßenführung hatte, ein schönes altes Haus stand praktisch mitten auf der Straße und der Verkehr ging auf beiden Seiten drum herum.

Irgendwann kamen wir dann am Ende der asphaltierten Straße an. Das war ein harter Schlag, denn danach lagen praktisch Felsbrocken auf der Straße. Auf einem Feldweg kämpften wir uns aber wacker weiter vorwärts. Wir waren auf einem der Wege angekommen, die auf der Karte in weiß eingezeichnet waren. Auf unserer Fahrradkarte war das ganze aber als befahrbar eingestuft, also konnte es wohl nicht zu schlimm werden. In einem kleinen Dorf (wo wahrscheinlich wirklich noch nie ein Mensch zuvor gewesen war) machten wir Pause. Von dem vielen Schotter waren wir sehr geschafft und so aßen wir einen Müsliriegel und die leckeren krapfenartigen Gebäckstücke, die Andrea uns mit auf den Weg gegeben hatte. Wir saßen neben der Einfahrt eines Bauernhauses und irgendwann kamen einige Leute heraus und sahen uns erstaunt an, grüßten dann aber freundlich.

Nach der kurzen Pause ging es weiter. Wir hofften auf eine bessere Straße, aber das Gegenteil war der Fall. Mittlerweile war es praktisch unmöglich zu fahren. Bei jedem Stein, die teilweise faustgroß waren, kippten unsere Räder zur Seite. Schieben ging auch nicht viel besser, da der feine Sand eine ziemliche Bremswirkung ausübte. Ich weiß nicht, wie oft unsere Räder hingefallen sind, aber die 20 Kilo wieder hochzuhieven war jedes Mal anstrengender. Außerdem ging es immer stückchenweise bergauf. Wir waren schon sehr frustriert und am Ende unserer Kräfte, als ich in er Ferne etwas sah... Etwas Wunderschönes. Ich blieb sofort stehen und wartete auf Johanna, um ihr die freudige Nachricht mitzuteilen. Da vorne ist Asphalt! Er war zwar schon sehr rissig, aber wir fuhren wie auf Watte.

Leider ging es weiterhin bergauf und die Temperatur war um die 40 Grad, ohne übertreiben zu wollen. Wir pausierten auf einer Wiese neben der Straße, die sehr vollgemüllt war. Genauso wie der Wald dahinter. Wir aßen einen Powerriegel, überlegten ob wir den Bus nach Sibiu nehmen sollten und konstatierten, dass unser Wasser auch nicht mehr bis nach Sibiu reichen würde. Tiefpunkt.

Irgendwie, wie auch immer, schafften wir es aber dennoch. Wir beschlossen bis zu einer kleinen Kurstadt vor Sibiu zu fahren. Kurz vor Ocna Sibiului überholten wir zwei Rumänen, die auf sehr klapprigen Rädern mit Schlafsack auf dem Gepäckträger etwa im ersten Gang vor sich hin radelten. Wow, die ersten rumänischen Radwanderer. Sie machten aber natürlich auf dem Rad nicht annähernd eine so gute Figur wie wir. (Wie auch, das ist ja gar nicht möglich ;P)

Schließlich erreichten wir dann Ocna Sibiului. Wir waren ziemlich tot, fanden einen Campingplatz, erklärten irgendwie dem beinlosen Platzwächter, was wir wollten und waren schließlich angekommen. Es bedurfte einiger Anstrengung, uns zum Aufbau des Zeltes zu motivieren. Außerdem starben wir vor Hunger. Also kümmerte sich Johanna um das Zelt, ich ging in die Stadt und suchte nach einem Laden. Nachdem ich fast in einen geschlossenen Laden hineingelaufen wäre und schon etwas böse angeguckt wurde, fand ich ein noch offenes Geschäft. Es war voll gestopft mit rumänischen Kurgästen. Dann machten wir Pfannkuchen. Ich hatte Eier gekauft und Mehl hatten wir dabei. Außerdem hatte ich Äpfel, Bananen und Wasser mitgebracht (ohne Sprudel, mit höchstem pantomimischen Einsatz erworben). Die Pfannkuchen schmorten natürlich an unserer Campingkocherpfanne fest und verkohlten, aber trotzdem habe ich nie etwas Leckereres gegessen. Mit Apfelstückchen, Banane und etwas Zucker. Ein Traum nach diesem Tag. Die Pfanne war natürlich im Eimer, aber man muss auch mal Opfer bringen.

Irgendwo auf dem voll gestopften Campingplatz, zwischen den vielen Autos mit geöffneten Türen und unterschiedlicher Musik, was wir ja nun schon kannten, gab es auch ein Partyzelt. Wir hörten die Musik und die Stimmung zu uns vordringen, Konnten uns aber nicht aufraffen, nachzuschauen. Die Dusche war eiskalt und nach dem Gartenschlauch-Prinzip aufgebaut. Brrr. Die Musik hielt lange an. Irgendwann ging dann das Licht aus, alle begannen zu kreischen und zu brüllen und das Licht ging wieder an. Auch die Musik ging weiter. Was für eine Stimmung. Dann schliefen wir problemlos trotz des ganzen Kraches ein.

16.8.08 18:48
 


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